Projektübung WS 2015/16

Im Zentrum der Projektübung steht ein Flüchtlingslager für 20.000 Personen, rund 45 km von Graz entfernt. Im Ersten Weltkrieg als Barackenlager errichtet und bis 1963 verschiedenen Zwecken dienend, ist unmittelbar daraus die Gemeinde Wagna bei Leibnitz hervorgegangen.

Das historische Flüchtlingslager und der heute rund 5000 EinwohnerInnen zählende Ort dienen uns als konkretes Beispiel und Versuchsfeld, um über das Thema Flüchtlingslager nachzudenken. Interessieren wird uns zum Einen das Lager als eine nach bestimmten Kriterien geplante und mit einer Infrastruktur ausgestattete „Idealstadt“, zum Anderen das Lager als abgegrenzter, temporärer Lebensraum für Individuen im Ausnahmezustand. Themen wie Ordnung und Kontrolle, Hygiene und individueller Raumbedarf sowie architektonische und organisatorische Lösungen (Baracke, Funktionen, Ausstattung) werden aufgeworfen.

Ziel der Projektübung ist, auf Basis der behandelten Themenfelder und mit Hilfe der entsprechenden Wahlfächer das Prinzip (Flüchtlings-)Lager zu verstehen, eigene Schlüsse daraus zu ziehen und diese mit digitalen Darstellungsmethoden zu visualisieren. Wagna bietet uns dabei Gelegenheit, einerseits im Vergleich mit der Gegenwart Kontinuität und Differenz von Flüchtlingsunterkünften herauszuarbeiten, andererseits aber den Verwandlungsprozess von einem Lager in eine „normale“ Gemeinde zu beobachten.

LV-Plakat

UE, 7 SSt.

Projektübung:

Antje Senarclens de Grancy, Anselm Wagner

Begleitende Wahlfächer:

AK Kulturwissenschaften (Heimo Halbrainer)

Informationsvisualisierung (Jacob Wegerer)

Link zu den Studierendenprojekten:

iam.tugraz.at/akk

 

 

Ergebnisse des Masterstudios

flyer-hochAm Mittwoch, dem 03.02.2016 fand die öffentliche Präsentation der im Rahmen der Projektübung entstandenen Website im Haus der Architektur in Graz statt. Die Website iam.tugraz.at/akk beinhaltet 18 Studierendenprojekte, wovon 6 ausgewählte Arbeiten an diesem Abend vorgestellt wurde. Peter Stradner, Bürgermeister der Marktgemeinde Wagna, sowie Franz Trampusch, Altbürgermeister Wagnas und Lagerzeitzeuge bereicherten die Veranstaltung mit ihren persönlichen Eindrücken und Erfahrungen.

 

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Fotos © Alexia Eberl (akk)

 

 

Im Transitraum leben

Traumatische Fluchterlebnisse, Ungewissheit und monate- und oft jahrelanges Warten gehören zu den psychischen Belastungen von Flüchtlingen. Organisierte Unterkünfte bieten Schutz, ziehen aber räumliche Enge, eingeschränkte Privatsphäre und den Verlust von Selbstbestimmtheit nach sich.
Im Rahmen der Projektübung fand am 15. Oktober 2015 im Forum Stadtpark die öffentliche Diskussionsrunde „Im Transitraum leben“ zu räumlichen Situationen in Flüchtlingsunterkünften statt. Um die Wohnsituation in Flüchtlingsquartieren, die räumlichen Herausforderungen, alltäglichen Abläufe und Spielräume für die BewohnerInnen zu erkunden, dienten zwei konkrete Beispiele dabei als Grundlage: eine seit Jahren bestehende Heimstruktur im ländlichen Bereich sowie ein gerade im Aufbau befindliches Wohnprojekt, für das ein städtisches Bürogebäude als Flüchtlingsheim für Jugendliche adaptiert wurde.

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Fotos © Lena Prehal (Forum Stadtpark)

Weitere Informationen zur Diskussionsrunde
Weitere Fotos der Diskussionsrunde

 

 

Exkursion nach Wagna

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Am 21. Oktober 2015 besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Projektübung im Rahmen einer Exkursion die Marktgemeinde Wagna in der Südsteiermark.
Altbürgermeister Franz Trampusch führte uns durch Wagna und zu den geschichtsträchtigen Schauplätzen der näheren Umgebung. Über den Aufbau und die Größe der ehemals bestehenden Lager konnten wir vor Ort einen guten Einblick erhalten. Die Entwicklung der Lager zu einer Gemeinde, sowie die Einflüsse des Lagerlebens auf das heutige Wagna konnten wir mit Bürgermeister Peter Stradner erörtern. Zu Mittag besuchten wir das Bildungshaus Schloss Retzhof. Anschließend fuhren wir nach Aflenz, wo im 2. Weltkrieg eine Außenstelle des Konzentrationslagers Mauthausen bestand, die die Adaption des unterirdischen Römersteinbruchs zur NS-Waffenproduktionstätte vornahm.

Text: Gunter Peyrl

Lageplan

 

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Fotos © Elisabeth Winter (1, 2), Ramona Winkler (3, 4, 5)